Für eine gleichwertige Anrede von Frauen und Männern

Auf Grund von Richtlinien der Bundesregierung werden in Deutschland seit 20 Jahren geschlechtergerechte Endungen für weibliche Personenbezeichnungen benutzt, so dass Frauen sich nicht mehr nur mitgemeint fühlen müssen. Doch weibliche Endungen genügen dem Bedürfnis von Frauen nach sprachlicher Sichtbarkeit nicht mehr, deshalb fordern wir folgende Änderung …

*Aus Herr wird Mann

Die Initiative für sprachliche Gleichstellung ruft dazu auf, ab sofort unter Berufung auf das im Grund­gesetz verankerte Gleich­berechtigungs­gesetz eine neue Anrede für Männer zu ver­wenden. Die veraltete Anrede HERR wird zur Anrede MANN. Durch die neue Anrede werden Männer nicht mehr als Herren auf­ge­rufen, angeredet und an­ge­schrieben, sondern als gleich­berechtigte Männer. Damit werden Gleich­wertigkeit und Gleich­stellung zwischen Frauen und Männern ausgedrückt. Die gebräuchlichen Anreden „Herr“ und „Frau“ sind nicht gleich­wertig und vermitteln keine sprachliche Symmetrie. Die Ent­sprechung zu der Anrede „Frau“ ist die Anrede „Mann“. Was gebräuchlich ist, muss nicht zeitgemäß sein und den fortschrittlich demokratischen Werten entsprechen. Die Anrede „Herr“ stammt noch aus der Feudal- und Sklaven­herrschaft. Sie bezeichnete einen Mann von hohem gesell­schaftlichen Status und adliger Herkunft, der seine Unter­gebenen be­herrscht.

Der „Herr“ war immer ein höher und besser gestellter Mann. Im 18. Jahrhundert wurde mit der Abschaffung der Feudal­herrschaft allmählich die Bezeichnung „Herr“ in das Bürgertum übernommen und hat sich bis heute in unserem Sprachgebrauch erhalten. Noch bis zur Reform des Ehe- und Familien­rechts 1977 wurde mit dem Begriff „Herr“ das Familien­ober­haupt benannt. Das Wort Herr suggeriert Herrschaft, auch Herrschaft über Frauen. Im Unterschied zur Be­zeichnung „Herr“, ist die Be­zeichnung „Frau“ nicht nur An­rede, sondern bezeichnet auch das biologische Geschlecht (sie ist eine Frau, er ist ein Herr). Unabhängig vom Ursprung des Wortes „Frau“ sind „Frau“ und „Herr“ nicht gleichwertig und werden deshalb von vielen auch in der Anrede (wo sie aus sprach­historischen Gründen vielleicht noch am ehesten als gleichwertig gelten können) nicht als gleichwertig angesehen.

Im Jahre des Herrn

In unserer abendländisch christlichen Religion hat sich die Bezeichnung „Herr“ auch als Name für Gott etabliert. Der Begriff weist in diesem Zusammenhang sogar auf den Anfang unserer heutigen Zeitrechnung: sie begann im Jahre des „Herrn“. Sprache war immer im Wandel begriffen und unsere moderne Sprache drückt unter anderem auch die Haltung gegenüber Frauen aus. Die gleichwertige Anrede ist ein weiterer bedeutsamer Schritt auf dem Weg in eine zwischen Frauen und Männern gleich­berechtigte Zukunft. Worte sind mächtig, deshalb wird sich mit Sicherheit die Anrede FRAU und MANN erleichternd auf Männer und positiv auf das Selbst­wert­gefühl von Frauen auswirken. Frauen und Männer können sich erst durch eine gleich­rangige Anrede auch sprachlich auf Augenhöhe begegnen.

Um die neue Anrede kurz zu erklären, empfehlen wir folgende Fußnote:


Sehr geehrter Mann* Schulz,




*Die Initiative für sprachliche Gleichstellung verwendet seit 2012 die Anrede „Mann“ entsprechend der Anrede „Frau“.
www.anrede-mann.de